Augsburger Adventsgeschichte

Augsburger AdventsgeschichteMaximilianstraße 51

Advent, Advent - mal sehen, ob ihr die Geschichte kennt. Damit nicht nur die Kerze am Adventskranz leuchtet, sondern auch euch ein Adventslichtlein aufgeht, haben wir uns etwas ganz Besonderes überlegt.  Jede Woche gibt es für euch eine spezielle Adventsgeschichte über Augsburg, die ihr so noch nie gehört habt. Viel Spaß beim Lesen und einen wunderschönen 2. Advent.

Das Haus und seine wunderschöne Türe

Das Haus ist entzückend, rosa, stuckiert - eine Architektur wie eine Pralinenschachtel. Und die geschnitzte Türe erst! Auf dem linken Flügel ist ein Stillleben aus Winkel, Anker, Merkurstab und eine einem auf 1769 datierten Warenballen zu sehen; auf dem rechten dagegen eine Komposition aus Fass, Waage, Geschäftsbuch, Brief und Kielfedern (zum Schreiben). Und über allem leuchtet im Oberlichtgitter ein Marienmonogramm. 

Maximilianstraße

Das Marienmonogramm

Wem gehörte das Haus in Maximilianstrasse 51?

Wer also offenen Auges durch die Stadt ging oder geht, weiß, dass der Bauherr dieses Hauses aus dem Jahre 1769 ein katholischer Kaufmann war. Wie es zur Theatralik der Türe passt, hatte er einen klangvollen Namen: Joseph Maria Tonella. Der feine Herr konnte leider die Bequemlichkeit seines von Johann Martin Pentenrieder errichteten Stadthauses nicht mehr genießen. Er verstarb, bevor es fertiggestellt war. 

Maximilianstraße

Sehr detailreiche Arbeit

Durch die Türe schritt also die steinreiche Witwe Maria Anna Tonella, geborene Obwexer zunächst alleine. Nicht allzu lange freilich, denn einige Jahre später hatte sie den gebürtigen Venezianer Joseph Paul Ritter von Cobres als Gatten an ihrer Seite. Neben dem Stadthaus besaßen Herr und Frau von Cobres ein noch heute erhaltenes, ebenso zuckrig rosa Landhaus in Göggingen (Bürgermeister-Aurnhammer-Straße 33). 

Wer war Herr von Cobres?

Herr von Cobres ging einem in Augsburg damals beliebtem Hobby nach, er sammelte "Naturalia", vor allem Schmetterlinge. "Schöner und zahlreicher" als die Kunstsammlungen so schrieb der Augsburger Patrizier Paul von Stetten in seiner Beschreibung Augsburg von 1788, seien die Naturkundlichen Kollektionen in der Stadt. Kabinett und Bibliothek des Herrn von Cobres zählten zu den staunenswertesten; der stolze Sammler verfasste deshalb auch eine Naturgeschichte mit dem selbstbewussten Titel "Deliciae Cobresiane". Der Inhalt des Hauses hielt also, was die Türe versprach. 

Giulia Valent

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.