Kleine aber feine Details IV

Kleine aber feine Details IVRathaus Augsburg – Eisenberg 2/Maximilianstraße 3

Der Eisenberg Augsburg ist bekannt als eine der zwei längsten steinernen Treppen der Fuggerstadt. Die 57 Stufen verbinden den Rathausplatz mit dem idyllischen Elias-Holl-Platz. Letzterer entstand 1890 auf Wunsch der Bürgerschaft. Bis 1884 lagen hinter dem Rathaus dagegen das Stadtarchiv und das Gefängnis, Eisenhof genannt. Hiernach erhielt der Eisenberg seinen Namen. Oben am Eisenberg ist gleich auf zwei Inschriftplatten der kryptische Spruch „also geht’s in der Welt“ in torkelnden Lettern zu lesen.Was aber sollen wir aus dem Motto lernen? Vielleicht, Vorsichtig zu sein?

Rathaus Augsburg

Gleich hier rechts um die Ecke des Rathauses, befindet sich der Eisenberg mit seinen 57 Stufen.

Wie es zur Inschriftplatte kam

1694, zehn Soldaten waren am Eisenberg im Haus eines Zunftmeisters (Haus Maximilianstraße 3) einquartiert. Dessen Gattin hatte ein Auge auf den Offizier geworfen und der war nicht abgeneigt. Die Dame beschloss also, mit ihrem Geliebten abzuhauen, nicht allerdings, ohne den Sparstrumpf des Gatten zu plündern. Wie es so geht in der Welt, das Geld war schnell verprasst, das Leben als Offiziersgattin nicht gerade glamourös und die Liebe offenbar flüchtig. Unsere Heldin schmiedete also einen neuen Plan: Sie wollte das schöne Haus in Augsburg zurück, aber am besten ohne den zugehörigen Mann. 

Rathaus Augsburg

Da braucht man schon mehrere Anläufe um diese Inschrift entziffern zu können.

Reue heuchelnd gewann sie das Vertrauen ihres Gatten zurück, spitzte aber gleichzeitig einen Werber der herzoglich-bayerischen Truppen zu einer List an: Im Gasthaus „Bei den sieben Hasen“ becherte der Werber ordentlich mit dem ahnungslosen Zunftmeister. Der ließ sich im Eifer der Bierseligkeit als Soldat werben, indem er den Helm des Werbers aufsetze und sich zu einem Glas Wein einladen ließ. Schon auf dem Weg nach Friedberg, der damaligen bayerischen Grenzstadt, gelang dem Zunftmeister die Flucht durch den Lech zurück nach Augsburg. 

Daraufhin setzte er seine Frau auf die Straße und ließ an seinem Haus am Eisenberg die nämliche Inschrift in taumelden und umgefallenen Buchstaben anbringen. „Also geht’s in der Welt“ soll uns sagen, dass im Leben eben manches durcheinander geht. Vor allem, wenn man  keine Vorsicht walten lässt oder gar so betrunken durch die Gegend taumelt, wie die Buchstaben auf dem Gedenkstein.

Rathaus Augsburg

Das Steinrelief, dass vom Augsburger Stadtbaurat Walther Schmidt in Auftrag gegeben wurde.

Der Gedenkstein an die Geschichte des Zunftmeisters

1944 sank das Gebäude in Schutt, bei der Räumung der Trümmer verschwand die Platte; der Besitzer des Grundstücks, Karl Haugg, ließ das Haus ohne sie aufbauen und zunächst auch keine neue anfertigen. Die Geschichte vom gehörnten Zunftmeister und dem verschwundenen Hauszeichen muss aber weiter durch Augsburg gegeistert sein, denn der Augsburger Stadtbaurat Walther Schmidt gab 1953 ein Steinrelief mit dem alten Spruch in Auftrag, das der Bildhauer Hans Koller ausführte. Dieser Gedenkstein wurde nun am Rathaus, angebracht, also gegenüber der früheren Stelle.

Karl Haugg aber war nun offenbar so erbost darüber, dass die Stadt „seine“ Inschrift geklaut hatte, dass er seinerseits eine Rekonstruktion des alten Hauszeichens fertigen ließ. Als diese 1954 angebracht werden sollte, fiel sie zu Boden und zerbrach. Dennoch ließ Karl Haugg die Inschriftplatte am Gebäude montieren, die nun älter aussieht, als ihr Gegenüber.

Also geht’s in der Welt…..

Gregor Nagler & Michel Dickelé

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.