Kunst in der Mittagspause III

Kunst in der Mittagspause IIIEin Besuch beim Kunstverein

Mitten im Lechviertel liegt das Holbeinhaus, ihr werdet es ahnen – am idyllischen Holbeinplatz. Naiv könnte man mutmaßen, in dem Haus hätte man einst hohle Puppenbeine gefertigt; aber so war es natürlich nicht. 

Kunst in der Mittagspause augsburg

Holbeinhaus ©

Die Augsburger Künstlerdynastie - Holbein

In dem unscheinbaren Haus im Lechviertel, direkt am Vorderen Lech gelegen, lebte Hans Holbein der Ältere (um 1465 bis 1524), seinerzeit einer der gefragtesten Maler in Augsburg. Mehrere Bilder sind in der Stadt immer noch zu  sehen, in der Staatsgalerie Altdeutsche Malerei und im Dom; das Werk Holbeins ist aber bis Frankfurt, Basel und Lissabon verstreut. Hans der Ältere hatte mehrere Söhne, die ebenfalls Maler wurden; das war damals durchaus üblich. Den größten Ruhm unter den Holbein-Söhnen fuhr sicherlich Hans der Jüngere ein – „Die Gesandten“ oder die Bildnisse britischer Adeliger – Hans Holbein der Jüngere hatte es bis nach London geschafft – zählen zu den „Inkunabeln“ der europäischen Kunstgeschichte. 

Kunst in der Mittagspause augsburg

Hans Holbein der Jüngere - Die Gesandten © National Gallery

Der Kunstverein sucht ein zuhause

Das mittelalterliche Wohnhaus in Augsburg wurde zwar 1944 zerstört aber danach wiederaufgebaut. Seit 1963 residiert hier der „Kunstverein“. Es ist eine altehrwürdige Institution: Schon 1833 hatten  Freunde der bildenden Kunst um Anton Anselm Fürst Fugger-Babenhausen einen Verein gegründet – der vierte dieser Art in Bayern nach Nürnberg, Bamberg und München.  Zunächst bezog der Augsburger Kunstverein deshalb Räumlichkeiten in den Fuggerhäusern. 1905 zog er dann in das ehemalige Gartenhaus der Familie Euringer an der Hallstraße um.

Kunst in der Mittagspause augsburg

Holbeinhaus

Der Kunstverein hat sein zuhause gefunden

Das repräsentative Ausstellungsgebäude wurde 1944 zerstört, die Tätigkeit des Kunstvereins kam zum Erliegen, ehe man mit dem aufgebauten Holbeinhaus eine neue „Spielstätte“ fand.  Eine schöne Nutzung für das frühere Künstlerwohnhaus. Mindestens zwei Ausstellungen werden hier im Jahr gezeigt. Die Räume sind kleinteilig. Zu einem kleinen Hof öffnet sich das Haus mit einer großen Glasfront, die den Blick freigibt auf hoch aufragende Altstadthäuser.

Dies ist der intime Rahmen, in dem Künstlerinnen und Künstler „aus Augsburg und der Welt“ ausstellen – Skulpturen oder Malereien, Fotografien oder Installationen. Ein Besuch während der Ausstellungen lohnt also immer; für eine oder mehrere Stunden in konzentrierter Ruhe, im Dialog mit den Kunstwerken, geborgen in Hans Holbeins Häusle.

Anna Thum

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.