BEZIEHUNGSWEISE #3 Wie viel Negativität hält Freundschaft aus?

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„Na, wie geht’s dir?“ Im Unterton schwingt bereits Wehleidigkeit mit. „Kommst du gut durch?“ Gut durchkommen – impliziert schon, dass es irgendwie schwer sein muss, durchzukommen. „Ach ja, muss, muss, ne?“ Ein halbherziges Lächeln. „Ja, muss.“

ANNI'S KOLUMNE Beziehungsweise

„Beziehungsweise“ untersucht – klar, liegt nahe – die Art und Weise, wie wir Beziehungen leben. Zum Partner, sich selbst, oder auch einfach dem Dude von Tinder, der sich schon wieder als Ultrafail entpuppt hat. Kolumnistin Anni hat in ihrem Leben nicht nur zu viel „Sex & the City“ geschaut, sondern auch stets selbst offene Augen und Ohren für alle Themen rund um Liebe, Sex und Dating. Einige davon lassen sich nur mit ordentlich Humor und Selbstironie verkraften – und es wäre doch viel zu schade, sie euch vorzuenthalten. Viel Spaß beim Lesen… und Relaten.

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Negativität ist wie ein Kaugummi

Szenen aus dem Alltag. Ich will vermeiden, „Corona-Alltag“ zu sagen, aber eigentlich geht das nicht. Es ist nun mal ein spezieller Alltag, nicht der, den wir wollen und nicht der, den wir gewohnt sind. Was ich beobachte, ist nicht nur eine Massenflut an Schlagzeilen zu jeder Stunde des Tages. Nicht nur eine Masse an Spaziergängern rund um die Alster, wie es in den letzten 5 Jahren nicht mal im Hochsommer der Fall war. Nicht nur eine Masse an Maskenträgern, soweit das Auge reicht. Nein, was ich auch beobachte, ist Folgendes: Nicht nur das Virus selbst brach aus – sondern auch Negativität, die sich wie Kaugummi durch all unsere zwischenmenschlichen Beziehungen oder zumindest unsere Dialoge zieht. 

Eine neue Realität

Vor einer Woche jährte sich die Registrierung des ersten Infektionsfalles in Deutschland. Damit leben wir seit nunmehr 365 Tagen in einer neuen Realität. Von jetzt auf gleich ein anderes Leben. Klar – in Relation könnte immer alles noch viel schlimmer sein. Der Mensch ist aber nun mal ein Gewohnheitstier und rapide (unfreiwillige) Veränderung fällt ihm schwer. Daher ist es doch ganz logisch und naheliegend – sogar gesund, dass wir uns mit unseren Liebsten darüber austauschen, wie sich das alles für uns anfühlt. Dass wir unseren Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten Luft lassen und sie nicht wegdrücken. Un-, un-, unbedingt. Andernfalls implodieren wir. Vielleicht sollten wir dennoch aufpassen, dass es nicht aus dem Ruder läuft…

Wann ist Jammern zu viel Jammern?

Ich hab‘ das Gefühl, dass das alles zu kippen droht. Damit will ich gar nicht mit dem Finger auf andere zeigen – und wenn doch, dann mindestens genauso stark auch auf mich selbst. Vielleicht hab‘ ich mich ein bisschen verloren darin, ständig betonen zu müssen, dass es mir der Umstände entsprechend doch ganz gut ginge, dass es mir zwar gut ginge, ich aber froh sei, wenn alles endlich wieder normal ist oder dass es mir noch besser ginge, wenn ich endlich mal wieder an irgendeinem Strand in der Sonne brutzeln und mir die Maske vom Gesicht reißen könnte. Und vielleicht begebe ich mich mit dieser Grundhaltung in eine Abwärtsspirale. Da ich mein Gegenüber damit anstecke, gemeinsam mit mir in die müßigen und ach so deprimierenden Unterwelten der Corona-Pandemie abzutauchen. Erfüllt das noch den reinen Zweck des „sich Sorgen von der Seele Redens“ oder muss ich mir nicht eher eingestehen, dass das langsam zur toxischen Angewohnheit wird?

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Wieder mehr Platz schaffen für das Schöne

Klingt wie ein Pinterest-Spruch und ist leicht gesagt. Aber auch wichtig. In all dem Chaos müssen wir Balance finden. Sich ehrlich mitteilen auf der einen Seite, aber auch zulassen, dass Gutes thematisiert wird. Für uns alle ist die Situation eine Zeit der Geduld und Nachsicht – anderen gegenüber und uns selbst. Doch während wir geduldig und nachsichtig sind, lasst uns auch versuchen, positiven Gesprächen wieder mehr Raum zu geben. Der besten Freundin oder dem Kollegen wieder mehr aufrichtiges Interesse entgegenzubringen und nicht nur einzuhaken, sobald das Wort „Corona“ fällt. 

Eine Erinnerung an sich selbst

Für mich ist dieser Text hier eine Art Erinnerung an mich selbst: Sag, wenn es dir schlecht geht. Sag, wenn es dir gut geht. Erkunde dich, wie’s um dein Gegenüber steht. Aber kopple all das nicht nur an das Virus, an den Lockdown und die vermeintliche Perspektivlosigkeit. 

Am Ende ist es doch so: Wir kommen hier nur zusammen durch. Also lasst uns das zusammen so gesund und schön wie möglich gestalten. Einfach auch mal wieder unbeschwert über das reden, diskutieren und lachen, was sonst noch so im Leben passiert. Denn wenn wir ehrlich sind, ist das immer noch eine ganze Menge.

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