Augsburg früher und heute II

Augsburg früher und heute IICafé Bertele

Wien? Nein Augsburg ! Die Postkarte zeigt das Delikatessengeschäft „Bertele“ an der Philippine-Welser Straße (heute Höhe Rathausplatz). Fassaden- und Schaufensterschmuck mögen untypisch üppig für die „Augschburger“ erscheinen. Aber in den 1920ern schätzte man offenbar noch eine luxuriöse Inszenierung. 

Augsburg früher und heute II

Café Bertele 1920 © Privatsammlung: Gregor Nagler

Die Entstehung

Freilich, die „Schätze“ aus dem „Etablissement“ von Constantin Bertele waren nur für wenige in Augsburg erschwinglich. In der Industriestadt lebte ein großer Anteil der Bevölkerung in prekären Verhältnissen. Die Inszenierung von Dekadenz im Schaufenster des von Constantin Bertele 1898 gegründeten „Delikatessen- und Spirituosengeschäftes“ erscheint da schon fast zu viel des „Guten“. Das Gebäude hatte sich der Italiener Peter Bassi schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts umbauen lassen. Dass er Johann Baptist Gunetzrhainer als Architekten wählte, zeugte von Selbstbewusstsein, denn Gunetzrhainer (1692-1763) war Hofarchitekt für die Münchner Kurfürsten und hauptsächlich mit dem Bau von Schlössern befasst. 

Augsburg früher und heute II

Augsburg früher und heute II © Gregor Nagler

Die Zerstörung

Diese damalige Pracht sank 1944 in Schutt und Asche. Einzig das Madonnenrelief,  dass ihr vielleicht über der mittleren Eingangstür erkennen könnt, blieb erhalten. Als 1959 das „Café Bertele“ wieder eröffnet wurde, prangte das Relief an der nun nüchternen Fassade. Das Café Bertele ist mittlerweile Geschichte, aber die Madonna schaut immer noch auf Straße und Platz herab. 

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.