Augsburger Details V Die Hausheiligen rund um den Dom Augsburg

Früher, als das Wünschen noch geholfen hat und die Gebäude nicht nummeriert waren, brachte man zur Identifizierung häufig Hauszeichen an der Fassade an. In Augsburg handelte es sich meist um Schutzpatrone. Diese wurden in Nischen mit kleinen Vordächern gestellt. 144 solcher Hausfiguren gibt es in Augsburg heute noch; besonders viele davon im Quartier um den Dom herum. Legen wir also den Kopf in den Nacken und entdecken einige dieser Figuren – aber bitte ohne überfahren zu werden

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Hoher Weg 18 im Augsburger Domviertel

Strahlenkranzmadonna

Wir treffen uns also am besten am Dom. Stehen wir am Hohen Weg, direkt am Domchor und blicken nach Osten, wo das Kustosgässchen einmündet, sehen wir bereits zwei Figurennischen. In einer Nische an der Ecke des prächtigen Hauses Hoher Weg 18 begegnen wir Maria, die wir häufiger an Fassaden sehen werden. Die gekrönte Maria steht auf einer Mondsichel, hat das Christuskind auf dem Arm. Zepter und Erdball deuten auf die Vorstellung von Christus als Herrscher der Welt. Christus hat zudem häufig einen Heiligenschein in Form eines Kreuzes, wie wir ihn hier sehen können. Maria und ihr Sohn sind von einem Strahlenkranz umgeben. Engelsputten scheinen die Szene gerade freizugeben, indem sie einen Vorhang heben.

Hoher Weg 22 im Augsburger Domviertel

Joachim mit Töchterlein Maria

An dem linkerhand gelegenen, schlichten Gebäude sehen wir einen Mann und ein Mädchen. Ihr ahnt es wegen der die Köpfe einfassenden „Ringe“, es sind natürlich wieder Heilige. Hierzu muss ich eine kurze Geschichte erzählen: Joachim und seine Frau Anna blieben lange kinderlos, weshalb ein Priester im Tempel das Opfer Joachims zurückwies. Aus Scham verbarg sich der Mann bei seiner Viehherde, wo ihm jedoch ein Engel erschien und anwies, an die Goldene Pforte zu eilen. Dort traf er auf seine Frau Anna, die der ebenfalls an den Treffpunkt geschickt hatte. Kurz darauf wurde Anna schwanger. Ihre Tochter, Maria, wurde als kleines Mädchen in den Tempel geschickt. Diese Szene verkörpert die passgenau in zwei Nischen eingepassten Figuren an der Augsburger Fassade; es sind Joachim und seine Tochter Maria, die voller Freude dem Tempel (dem Dom) entgegen geht.

Hoher Weg 30 im Augsburger Domviertel

Hausmadonna auf Wolkenbank

Spätestens jetzt kann man sich fragen: Was ist das für ein „Ding“, das die Augsburger mit Maria hatten. Denn schon um die Ecke, am Haus Hoher Weg 30, grüßt die nächste Madonna, wieder auf einer Mondsichel und Wolken stehend. Nun, der Augsburger Dom ist nun einmal Maria gewidmet. Und um den Dom herum gehörten fast alle Bauwerke den Geistlichen des „Domkapitels“. Die Mondsichel, auf der Maria sehr gerne herumschwebt, ist übrigens ein Symbol für Schwangerschaft – genauer die unbefleckte Empfängnis Marias (Immaculata) -, weil der Mond auf „wundersame Weise“ zu und wieder abnehmen kann. Eine auf der Mondsichel stehende Frau kommt auch in der Apokalypse des Johannes vor. Bei dieser Madonna handelt es sich übrigens um eine Kopie – wer das Original bestaunen möchte, der findet es im Diözesanmuseum.

Frauentorstraße 11 im Augsburger Domviertel

Terrakotta-Büste des heiligen Martin

Laufen wir um den Dom herum sehen wir am Haus Frauentorstraße 11 einen heiligen Martin aus Terrakotta. Er ist als Soldat mit prächtigem Schnurrbart zu sehen und zu identifizieren an dem Mantel, den er gerade zerteilt, um die eine Hälfte einem Bettler zu geben. 

Jesuitengasse 12 im Augsburger Domviertel

Maria Immaculata am ehemaligen Jesuitenkolleg

Wir biegen nach links in die Jesuitengasse ein. An Hausnummer 12, dem „Kleinen Goldenen Saal“ (früher Kloster des Jesuitenordens) sehen wir eine besonders fein ausgearbeitete Figur der Maria. Es ist die Kopie einer Skulptur aus Holz und Porzellan von Ehrgott Bernhard Bendel (Original im Maximilianmuseum). Maria, die – wen wundert es – auf einer Mondsichel steht und eine Schlange, das Symbol des Bösenzertritt, scheint geradezu verzückt in ihrer Nische zu stehen. Es ist so, als würde der Wind in ihr Gewand fahren, das sich bühnenwirksam faltet.

Jesuitengasse 16 im Augsburger Domviertel

Das Maria-Hilf-Gnadenbild

Ein paar Schritte weiter, an Nummer 16, wurden 1730 Maria und Christus, von Johann Georg Bergmüller, auf die Hausfassade gemalt. Es handelt sich um eine Version des Maria-Hilf-Bildes von Lukas Cranach im Innsbrucker Dom, das in Notlagen angerufen wurde und deshalb ungemein beliebt war. Denn man schrieb Bildern im Volksglauben direkt heilende, helfende oder beschützende Wirkung zu. 

Peutingerstraße 10 im Augsburger Domviertel

Der Heilige Johannes von Nepomuk

Wir spazieren zum Ende der Jesuitengasse und biegen links ab in die Alte Gasse und laufen unter den Bögen nach links zum Fronhof. Im Süden des Platzes liegt eine besonders schöne Häuserzeile mit vielen Erkern, Balkonen und natürlich Hauszeichen. Am Haus Peutingerstraße 10 ist zum Beispiel eine Sandsteinfigur zu sehen, die den Heiligen Johannes von Nepomuk zeigt. Dieser wurde in der Moldau in Prag ertränkt, weil er König Wenzel IV. nicht offenbaren wollte, was dessen Frau gebeichtet hatte. Die fünf Sterne auf Johann Nepomuks Heiligenschein symbolisieren die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes „tacui“ (ich schwieg). 

Peutingerstraße 18 im Augsburger Domviertel

Die heilige Familie

Etwas weiter, an Haus Peutingerstraße 18 schließlich, zeigt uns ein Relief die heilige Familie, Maria, Josef und das Christkind. Die Lilie in Josefs Hand ist Sinnbild der Keuschheit.

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