Augsburger Stadtteile - Pfersee Eine kleine Reise durch Pfersee

Heute schauen wir uns einmal den Westen Augsburgs an und landen im schönen Stadtbezirk Pfersee. Und da ist zunächst einmal dieser Name, bei dem sich der eine oder andere von uns bestimmt schon mal gefragt hat: Pfer-See? Nirgendwo in der Nähe befindet sich hier ein See und dennoch findet er sich im Stadtteilnamen wieder? Was soll das? Wir haben uns mit der Frage beschäftigt und nehmen euch mit auf eine kleine Reise durch die Geschichte Pfersees. Los geh’s!

Die Wertach schlängelt sich elegant an Pfersee vorbei und spaltet den Planungsraum VIII vom dazugehörigen Rosenau- und Thelottviertel ab.

Pfersee liegt an der schönen, seit einigen Jahren von ihrem Kanal-Dasein befreiten, Wertach. Der seltsame Name hat vermutlich auch irgendwie mit diesem großen, rauschenden „Gebirgsbach“ zu tun. Doch hier scheiden sich die Geister und es gibt zwei Geschichten, die sich hartnäckig halten:

An der Wertach befand sich in der Antike wohl ein Brückenkopf an der „Pforte“ nach Augsburg. Von dem Begriff Pforte – im keltischen „Perz“ – könnte sich der dann reichlich verschwäbelte Name von „Perze“ zu „Pfersee“ abgeleitet haben, der um 800 herum urkundlich belegt ist. 

Ein römischer Soldat namens „Verres“ soll sich beim Angriff der Germanen in den umliegenden Sümpfen der Wertach versteckt haben und entging damit einem ehrenvollen Soldaten-Tod. Die Mitbürger erzählten sich zur Erheiterung (früher gab es noch kein Netflix ;)) die Legende vom „Lacus Verrise“ zu Deutsch „der See/Teich vom Verres“. Das Lacus fiel der Bequemlichkeit zur Last und mit den Jahren wurde „Verrise“ zu „Verrse“ und irgendwann schließlich zu „Pfersee“.

Das Pferseer Schlössle beherbergte über die Jahrhunderte ein Lazarett, ein Finanzamt, das Armen- und Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern und ein Infektionskrankenhaus für Lungenerkrankungen. Heute befinden sich darin Arztpraxen und Büros.

Eine Reise durch die Zeit

Pfersee lag in der lieblichen Wertach-Aue und zudem noch besonders nah an der politisch selbständigen Freien Reichsstadt Augsburg. Im Dorf hatten deshalb der Bischof aber auch mehrere Augsburger Patrizierfamilien Besitz. Ihr könnt das auch noch sehen, wenn ihr durch Pfersee schlendert: Da steht fast neben der alten, kleinen Pfarrkirche St. Michael (1685 neu gebaut, Turm mittelalterlich) das „Pferseer Schlössle“ mit seinen vier Rundtürmen an den Ecken. Die Augsburger Familie Zobel ließ den bestehenden Bau 1579 zu einem Landsitz umbauen. 

Während das bezaubernde Schlösschen die Irrungen und Wirrungen der Geschichte recht gut überstanden hat – es diente im 19. Jahrhundert als Amt sowie als Kranken- und Armenhaus – hat der einst üppige Garten hinter dem Bauwerk doch sehr gelitten: Nichts als eine leere Grünfläche blieb davon übrig. 

Das Grusel-Schlössle

In Pfersee erzählte man sich noch um 1900 herum gerne Spukgeschichten, die sich im Schloss zugetragen haben sollen. Im Oktober 1639 etwa soll sich dort „ein Ungetüm mit Klopfen, Werfen, Fürchten und Schreyen“ gezeigt haben; mehrfach erschien eine weiße Gestalt. Schaut und hört also genau hin, wenn ihr bei Dunkelheit am Schlössle unterwegs seid. 

Neben dem Schlössle stehen an der Stadtberger Straße noch ein paar hübsche Häuser mit Erkern oder geschweiften Giebeln, die sich in dem früheren Dorf fast städtisch ausgenommen haben müssen. 

Das ehemalige Synagogengebäude befand sich an der Ecke Leitershofer Straße/Fröbelstraße und war der jüdischen Gemeinde ihr gottesdienstlicher Versammlungsort.

Pfersee gehörte zu jenen, damals zu Vorderösterreich gehörenden Orten, in denen sich Juden ansiedelten, weil sie seit 1438 in der Freien Reichsstadt Augsburg nicht wohnen durften. 1570 ist die erste jüdische Familie in Pfersee bezeugt. Juden wie die Familie Ullmann waren keine Bauern sondern meist Bankiers und Händler, die häufig tagsüber in die Freie Reichsstadt Augsburg hineinfuhren. In Pfersee gab es auch eine Synagoge, die sich anstelle des Hauses in Leitershofer Straße 26 erhob. 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war das Dorf Sitz des Landesrabbinats. Ein großer jüdischer Friedhof lag seit 1626 auf dem damals freien Gelände zwischen Pfersee und Kriegshaber (heute Hooverstraße 15), bis 1816 wurden auf diesem Friedhof auch Juden aus München bestattet, weshalb es auf dem Friedhof ein sogenanntes Tahara-Haus gab, ein Bauwerk zur rituellen Reinigung der Verstorbenen. 

Das Haus Ohneberg in der Augsburger Straße 36 geht auf den Namen des Bauherrn zurück – Herrn Ohneberg.

Im 19 Jahrhundert veränderte das alte Dorf seinen Charakter vollständig: Links und rechts der Straße nach Augsburg entstanden Textilfabriken wie die Spinnerei und Weberei Pfersee oder die Kunstseidenfabrik Bemberg. Es wuchsen auch Wohnhäuser (z.B. Augsburger Straße 36, von 1914), Geschäftsbauten wie 1894 das Kaufhaus Konrad und ab 1907 schließlich eine neue Pfarrkirche in die Höhe. Dieses von Michael Kurz erbaute Gotteshaus ist eines der größten in Augsburg mit einem 72 Meter hohen, markanten Turm – nicht gerade Ausdruck mangelnden Selbstbewusstseins.

Die Herz-Jesu-Kirche im Süden Pfersees, ist die größte Jugendstilkirche Süddeutschlands.