Augsburg früher und heute I

Augsburg früher und heute IRathausplatz

Augsburg hat sich in den letzten 150 Jahren stark verändert. Dank der Fotografie konnte dies auch dokumentiert werden. Diese wertvollen Bilder ermöglichen uns heute einen Blick zurück in die Vergangenheit. Legen wir also los und schauen uns ein paar historische Fotos von Orten in der Fuggerstadt an, die uns vor Augen führen, wie die Zeit vergeht.  Wir von "Geheimtipp Augsburg" haben uns uns für Euch im Archiv staubig gemacht, damit ihr die alten Bilder gemütlich am Bildschirm ansehen und in Nostalgie schwelgen könnt. 

Rathausplatz

Ja, manchmal ist es so, dass einem die Tränen kommen könnten, wenn man sieht, wie schön manche Plätze in Augsburg früher waren; gerade im Vergleich mit dem „banalen“ Heute. Und nein, wir stimmen hier nicht in den Chor der Parole „früher war alles besser“ ein. Aber man muss zugeben, dass der Rathausplatz vor der Zerstörung der meisten umliegenden Häuser architektonisch große Klasse hatte. Klar, er war viel kleiner als heute, mehr als die Hälfte der gegenwärtigen Fläche war bebaut.

Augsburg früher und heute I

Rathausplatz 1890 © Privatsammlung: Gregor Nagler

Der Augustusbrunnen stand deshalb dominierend im Zentrum. „Ludwigsplatz“ hatte der bayerische König Maximilian I. Joseph 1806 Augsburgs zentralen Platz getauft. Es war der Name seines Sohnes. Im Volksmund behielt das Areal aber lange noch den viel älteren Namen „Eiermarkt“, denn bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden hier Eier, Butter und Geflügel verkauft. Am Rathaus lag der Pranger, an den zum Beispiel Diebe gestallt wurden und am Fischmarkt war der Schandesel platziert. Denn im Rathaus befand sich auch das Gericht. Vor dem Gebäude marschierten bis 1806 jeden Tag die städtischen Wachsoldaten auf.

Augsburg früher und heute I

Rathausplatz 1930 © Privatsammlung: Gregor Nagler

Immer wieder wurde der Platz, vor dem Perlachturm umgebaut. Um 1600 entstanden der Augustusbrunnen nach einem Entwurf des Bildhauers Hubert Gerhard und fast alle Gebäude um den Platz herum neu; vor allem natürlich das Rathaus (1615-20) von Elias Holl. Als der Fotograf „unseres“ historischen Bildes auf den Auslöser drückte, stand er zwischen Perlachturm und Rathaus. Links sehen wir einen Teil des Börsengebäudes (1828-30). Die Augsburger Börse zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den wichtigsten in Deutschland, verlor aber an Bedeutung, als die bayerischen Könige in erster Linie München förderten. Später wurden im Börsensaal Konzerte gegeben. Auf dem Foto erkennt ihr mehrere Bürgerhäuser mit Fassadenschmuck aus dem 18. Jahrhundert sowie rechts den so genannten „Neuen Bau“ von Elias Holl, der heute noch dort steht. Ursprünglich hatte die Stadt hier nach 1600 eine offene Loggia nach italienischem Vorbild geplant, aber dann nur eine wetterfeste „Sparvariante“ verwirklichen lassen.

Augsburg früher und heute I

Rathausplatz 1960 © Privatsammlung: Gregor Nagler

Wo man heute auf dem Platz sitzt und die Sonnenstrahlen genießt, standen also früher Häuser. Diese wurden 1944 durch Bomben stark beschädigt. Die Stadt plante an ihrer Stelle ein klotziges Verwaltungsgebäude. Dann aber wurden erst einmal die Ruinen abgetragen und der Bauzaun entfernt. Strategisch ein Fehler, denn jetzt kamen die Augsburger auf dem Platz zusammen und hielten den Atem an: Das Rathaus war zum ersten Mal frontal zu sehen. Im Vielleicht ersten Bürgerentscheid der Bundesrepublik stimmten sie mit 55.000 Stimmen gegen eine Wiederbebauung.

Augsburg früher und heute I

Rathausplatz © Fabio Valent

Soweit, so schön. Augsburg hatte nun einen großen „Rathausplatz“ der seit 1972 auch offiziell so benannt wurde. Aber was macht der mit „dürftig“ noch freundlich bezeichnete Klotz da hinter dem Augustusbrunnen, am Eingang der Steingasse, genau dort, wo sich einst eine wunderschön geschmückte Fassade erhob? Gäbe es da nicht ein paar Architekten, denen ein bisschen mehr einfallen könnte, hier, im Zentrum den Stadt? Nur mal so ein Gedanke.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.