Augsburger Brunnen - Teil I

Augsburger Brunnen - Teil IDie Prachtbrunnen der Maxstraße

Eine Schwäche für Wasserspiele wurde den Augsburgern von „Touristen“ vergangener Jahrhunderte  nachgesagt. Brunnen erhoben sich in der ganzen Stadt, vor allem in den Gärten der Reichen (und nicht immer Schönen).  

Der wundersame Brunnen des Ambrosius Hoechstetter

Die Höchstetter gehörten neben den Familien Fugger und Welser zu den mächtigsten Kaufmannsfamilien in Augsburg. Ambrosius Hoechstetter, ein großer Konkurrent Jakob Fuggers, soll in seinem Garten schon um 1510 einen besonders wundersamen Brunnen gehabt haben:

„Bey einem Lusthause, welches mitten aus einem Teiche hervorragte, stand eine Nymphe, welche diejenigen bespritzte, die über die Brücke gingen. In dem Lusthause stand ein marmorner Tisch mit Bänken. Wann man einen der daran hängenden Ringe zog, so entstand auf dem Tische selbst ein Bach, welcher alles, was darauf lag, hinwegschwemmte.“ (Paul von Stetten, der letzte Stadtpfleger der Stadt Augsburg) 

Brunnen mit spritzendem Wasser gehörten aber vor allem auf die Plätze und Straßen und sehr viele stehen dort auch heute noch herum.

Prachtbrunnen Nr. 1 - Der Augustusbrunnen

Ja, sogar das Zentrum Augsburgs ist ein Brunnen, behaupte ich einmal. Denn am Rathausplatz steht der Stadtgründer Augustus auf einem Sockel inmitten eines geschwungenen Brunnenbeckens. Wasser spritzt aus kunstvollen Bronzefiguren. Die theatralische Anlage leisteten sich die Augsburger, um an das 1600-jährige Gründungsjubiläum ihrer Stadt (1585) zu erinnern. 

1589 wurde deshalb Hubert Gerhard beauftragt, einen Brunnen zu entwerfen, wie man ihn in Mitteleuropa noch nicht gesehen hatte: Hubert Gerhard hatte sich in Italien bei Giovanni da Bologna (Giambologna) geschult. In den großen italienischen Städten galt es damals als schick, die Plätze mit monumentalen Wasserspielen zu schmücken. Giambologna hatte mit seinem Neptunbrunnen (1563-66) in Bologna vielleicht den Augsburger Wunsch nach italienischen Wasserspielen befeuert. Als Hubert Gerhards Augustusbrunnen 1594 vor dem Perlachturm fertiggestellt war, staunten die Augsburger nicht schlecht; aber Nörgler gab es eben auch damals schon. Von den „Wassergötzen“ war abfällig die Rede, denn seitlich auf den Brunnenrand hatte Gerhard die „Augsburger Flüsse“ Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach gesetzt, dargestellt als Männer und Frauen. 

Augsburger Brunnen

Der Augustusbrunnen

Prachtbrunnen Nr. 2 - Der Merkurbrunnen

Weil der Augustusbrunnen gar so schön aussah und weil man in Wolfgang Neidhardt einen versierten Bronzegießer gefunden hatte, leistete man sich also 1599 ein weiteres Glanzstück auf dem damaligen „Brotmarkt“ (der heutigen Maximilianstraße). Diesmal lieferte Adriaen de Vries den Entwurf – auch er ein Schüler von Giambologna. 

Merkur in elegant verschraubter Haltung scheint wegfliegen zu wollen, während Amor als kleiner nackter Junge noch dabei ist, den göttlichen Flügelschuh zu binden oder doch zu lösen? Die Inschrift weist nämlich auf die „durch die Liebe gezügelte Betriebsamkeit“ hin, die man sich offenbar für Augsburg wünschte. Damals standen übrigens noch Gebäude auf der Straße, sodass der Brunnen im Süden das zwischen 1626 und 1633 abgerissene Tanzhaus im Rücken hatte. 

Augsburger Brunnen

Der Merkurbrunnen © Fabio Valent

Prachtbrunnen Nr. 3 - Der Herkulesbrunnen

Aller guten Dinge sind drei und so erhielt Adriaen de Vries einen weiteren Auftrag. Nun sollte der „Weinmarkt“ (heute ebenfalls zur Maximilianstraße zählend) gebührend im „italienischen Stil“ geschmückt werden. Der Blick nach Süden auf St. Ulrich und Afra war damals durch das Weinsiegelhaus (1605-06 durch Elias Holl neu gebaut und 1809 abgerissen) verstellt. Es entstand der prächtigste aller Augsburger Brunnen. Herkules (Herakles)  ist auf dem Sockel damit beschäftig, der Hydra (ein Wasserungeheuer) Herr zu werden. Es gelang ihm, ebenso wie auch elf weitere Aufgaben, die Eurystheus ihm gestellt hatte. Gerade erfolgreiche Männer oder solche, die gerne erfolgreich gewesen wären, ließen sich gern mit Herkules vergleichen – denn wer bitte schafft es schon wie er, ein Halbgott zu werden? 

Die Augsburger Herkulesstatue könnte deshalb ein Hinweis darauf sein, dass damals der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (ja, so hieß das) das Oberhaupt der Stadt war. Denn der aktuelle Herrscher kam vom Roten Tor den Predigerberg herauf und erreichte an eben der Stelle, wo sich der Herkulesbrunnen erhebt, das Stadtzentrum. Neben den am Sockel sitzenden und sich schön machenden Quellnymphen und den Gänsewürgern solltet ihr einen Blick auf die goldenen Reliefs werfen. Darauf ist die Gründung Augsburgs zu sehen, wobei die Stadt als „Tochter“ Roms dargestellt wird. 

Augsburger Brunnen

Der Herkulesbrunnen © Fabio Valent

Mini-Prachtbrunnen - Der „kleine“ Herkulesbrunnen

Herkules taucht in Augsburg aber zweimal auf. Neben dem Auftritt auf großer Bühne ist er als Knabe auch im Hof des Klosters St. Stephan zu sehen. Denn schon im zartesten Kindesalter musste sich Herkules mit Reptilien herumschlagen; früh muss sich wohl üben, wer ein Held werden will. 

Die Mutter von Herkules hatte den schönen Namen Alkmene. Sie wurde Opfer eines üblen Streiches des „Göttervaters“ Jupiter (Zeus): Dieser nahm (ein antiker Gott zu sein ist schon praktisch – zumindest für den Gott) das Antlitz von Alkmenes Gatten Amphitrion an und zeugte Herkules. Zur Welt brachte Alkmene schließlich aber Zwillingssöhne: Herkules stammte von Jupiter ab, der Bruder Iphikles hingegen gerechterweise von Amphitrion. Nun war Iuno (Hera), die Gattin des Jupiters allerdings wenig begeistert von den Umtrieben ihres Mannes mit schönen irdischen Frauen. Zu ungerecht, dass sich die Wut nicht gegen den Göttergatten selbst richtete: Denn Iuno schickte den Zwillingsbrüdern Schlangen ins Kinderbettchen – es waren harte Zeiten. Iphikles erschrak, doch Herkules erwürgte die Schlangen mit bloßen Händen. 

Diese Szene stellte der Bildhauer Georg Busch (1862-1943) dar: Die Schlangen ringen schon um Luft während der kleine Herkules trotzig und keinesfalls ängstlich aussieht. 

Augsburger Brunnen

Der „kleine“ Herkulesbrunnen © Fabio Valent

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Gregor Nagler

Gregor ist ein absoluter Kenner der Augsburger Kunstszene und findet verborgene Orte und alte Geschichten von Augsburg, die begeistern. Seit 20 Jahren erkundet er Augsburg aktiv mit Freunden, Reisegruppen oder auch im Alleingang und kennt jede Ecke in Augsburg.